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Das "Blochziehen" ist ein alter, jedoch in vielen Orten des südburgenländischen und des angrenzenden oststeirischen Raumes noch gepflegter Brauch.

Das Bloch (geschmückter Stamm einer Fichte) ist die "Braut".
In alten Zeiten "umfuhr" man mit dem Bloch - einem besonders langen und dicken Fichtenstamm mit dichten Kronenästen - die Ansiedlung und "schützte" die Wohnstätten von Mensch und Tier durch eine "Furche" gegen die bösen Einflüsse der Überirdischen. "Sitzengebliebene "Mädchen, d.h. Mädchen, die (noch) keinen Ehemann gefunden hatten, mussten den Stamm ziehen. In manchen Gegenden wurde die "Furche" anstelle eines Baumstammes mit einem "Holzpflug" gezogen, ebenso von heiratsfähigen Mädchen, die nicht zum Heiraten kamen.
Inzwischen haben sich die Bräuche geändert:
Heutzutage kann ein Blochziehen dann veranstaltet werden, wenn im Dorf keine Hochzeit in der Faschingszeit stattfindet. Keine Hochzeit - dies wurde einerseits den heiratsfähigen Mädchen des Ortes als "Schande" angerechnet, andererseits entging den "Burschen", das sind die unverheirateten Männer, dadurch eine große und noch dazu kostenlose Unterhaltung, weil sie bei Hochzeiten - wohl oder übel geduldet - oft einfach mitfeierten. Das Blochziehen wird heute von der Dorfjugend, von Burschenschaften oder Vereinen durchgeführt. Jede Gruppe stellt einen geschmückten Wagen bei und versucht, dem ganzen Zug ein lustiges Gepräge zu geben. Bei dieser jüngeren Brauchdurchführung wird das Bloch nicht um den Ort, sondern durch den Ort gezogen und wird von tausenden Menschen aus nah und fern begleitet.
Das Bloch, in Bad Tatzmannsdorf Waldbraut genannt, wird besonders schön mit Reisig und Rosen geschmückt. In den dichten Kronenästen sitzt ein als Hahn (Fruchtbarkeitssymbol) verkleideter Bursch. Ganz vorne am Stamm, am dicken Ende des Bloches, steht oder sitzt der Bräutigam. Er soll als Ersatz die Waldbraut heiraten, weil kein Mädchen sich zu einer "echten" Heirat entschlossen hatte.
Mit viel Spaß und Schabernack, dazu Musik, bewegt sich der lange Hochzeitszug - zahlreiche, bunt geschmückte Fahrzeuge der mitwirkenden Vereine - durch den Ort. Blochbegleiter (Kränzlerlnnen) sind Burschen und Mädchen des Dorfes. An verschiedenen Plätzen wird "halt gemacht" und mit heiteren Versen die Trauung des Bräutigams mit der Waldbraut vorbereitet. Dies ist der Höhepunkt der Veranstaltung. Die einzelnen Abschnitte bis zur "Trauung" werden wie folgt durchgeführt: "Abholen des Bräutigams" - "Eröffnungsrede" -"Ausbitten" - "Vorziehen" - "Trauung mit Kranzlabtanzen" - "Schlussrede" sowie Verlosung oder Versteigerung der "Waldbraut".
Alles wird so echt wie nur möglich in lustiger Art und Weise nachvollzogen. Nach der Trauung wird das Bloch versteigert oder verlost. Der Brautführer sagt am Ende seiner Rede: "... Nun hat die Waldbraut ihren Dienst getan, gleich wird's verlost, weil man's zum Weib nicht nehmen kann."
In Bad Tatzmannsdorf hat der Brauch des "Blochziehens" eine lange Tradition. Blochziehen fanden in Bad Tatzmannsdorf zuletzt in den Jahren 1919, 1929, am 26.11.1933 und am 1.3.1936 statt, nach dem Krieg wieder im Jahr 1948. Wiederbelebt wurde hier der Brauch 1984, 1994 und 2004, unter anderem auch als Attraktion für die zahlreichen Gäste in unserem Kurort.
Im Ortsteil Sulzriegel gab es 1952 ein Blochziehen und im Ortsteil Jormannsdorf in den Jahren ???.
Unter Federführung unseres Vereines wurde wieder einmal ein "Blochziehen" organisiert. Die Vorbereitungszeit betrug zirka drei Monate. Unser Funktionär Hans Rehling koordinierte den Ablauf aller Vorbereitungsarbeiten.
Nach 10 Jahren fand in Bad Tatzmannsdorf also wieder eine bemerkenswerte "Hochzeit" statt. Der Tradition gemäß, wenn es in der Faschingszeit keine Hochzeit im Ort gibt, wird eine Trauungsfeier nachvollzogen. Das heißt, ein unverheirateter Bursch vermählt sich mit einem sogenannten Bloch, der "Braut" aus Fichtenholz.
Veranstaltet wurde der Umzug diesmal von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Tatzmannsdorf.
![]() Wagen der Eisschützen (Fahrer: Fritz Prisching) |
![]() Das Brautpaar hoch auf dem Wagen |
![]() Der Hahn im Korb sitzt am hinteren Ende des Blochs |
![]() Ein weiterer Wagen im Umzug |

Maskierte Kassiere beim Blochziehen 2004
v.l.n.r.: Josef Kerschbaum, Eugen und Anna Drobits, Dorothea Kerschbaum
Mehr als 3200 Besucher wohnten dem Spektakel bei, vergnügten sich bei ausreichender Verpflegung und unterstützten damit das Projekt des Veranstalters, den Neubau des Feuerwehrhauses.
Acht geschmückte Wägen, jeweils von den Feuerwehren Bad Tatzmannsdorf, Jormannsdorf, der Burschenschaften von Bad Tatzmannsdorf und Sulzriegel, dem Sportclub Bad Tatzmannsdorf, dem Literaturverein, dem Jägerverein, dem Eisschützenverein und Fußgruppen vom Elternverein, der Theatergruppe und der Volkstanzgruppe begleiteten den Bräutigam mit seiner Holzbraut in Form eines Faschingsumzuges.
Die alte Brauchtumspflege wurde durch einen neuen Brauch ersetzt. Früher fanden Blochziehen tatsächlich nur dann statt, wenn im Fasching niemand im Ort heiratete. Heutzutage kann man dem natürlich etwas nachhelfen.

Tombolawagen unseres Kulturvereins

Tombolawagen unseres Kulturvereins, v.r.n.l.: Dorothea und Josef Kerschbaum und Tochter

Der Bräutigam vor der Waldbraut

Gemeindekotter (Gefängnis) des Fußballklubs von Bad Tatzmannsdorf

Häftlinge (r.: Helene Rehling) im Dorfkotter (Gefängnis)

Der Richter, der Standesbeamte und der Trauzeuge

Zunächst wird - vergeblich - eine Braut gesucht

Gruppe des Freilichtmuseums von Bad Tatzmannsdorf

Gruppe des Eisstockvereins von Bad Tatzmannsdorf

"Federnball" auf dem Wagen der Eisstockschützen

Historische Postkutsche

Blochziehen 1952 in Sulzriegel

Blochziehen 1952 in Sulzriegel

Blochziehen 1949 in Jormannsdorf

Blochziehen 1949 in Jormannsdorf

Blochziehen 1948

Blochziehen 1948

Blochziehen 1948

Blochziehen 1948

Blochziehen 1948

Blochziehen 1948

Blochziehen 1929