Die Volksschule Bad Tatzmannsdorf
Ein historischer Rückblick

Unsere Volksschule feierte im Jahr 2002 ihr 150jähriges Bestandsjubiläum.

Im April 1852 wurden Vertreter der katholischen Filialgemeinde Tatzmannsdorf nach Güns (Köszeg, Ungarn) geschickt, um bei der dortigen Sparkasse eine Summe von 400 Gulden C.M. für den Bau eines Schulhauses zu leihen. Im Jahr darauf konnte der Schulbetrieb aufgenommen werden.

Für die Tatzmannsdorfer katholischen Kinder bedeutete die eigene Schule im Ort eine große Erleichterung, da sie nun nicht mehr den langen Weg nach St. Martin/Wart (Nachbarort) gehen mussten.

Der erste Lehrer, der zunächst noch provisorisch angestellt wurde, war der aus Eferding gebürtige Anton Umdasch.

Alte Volksschule
Alte Volksschule von Bad Tatzmannsdorf


Das alte Schulhaus bekam die Hausnummer 77 und bestand aus dem Klassenraum und der Wohnung des Lehrers, die zwei Zimmer, eine Küche, eine Kammer und den Keller umfasste. Der Lehrer wurde teils in Naturalien und teils in Geld bezahlt.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ der Schulbesuch, vor allem in den Sommermonaten, jedoch zu wünschen übrig, und auch das Schulgeld wurde oft recht unregelmäßig bezahlt. Klagen der Lehrer, die von den Einnahmen mehr schlecht als recht leben konnten, blieben daher nicht aus.

Auf Umdasch folgten als Lehrer Anton Geyer (1856-1861), Johann Bürger (1861-1876) und Franz Tribl (1877-1913).

In der Amtszeit von Franz Tribl besserten sich die Zustände allmählich, wenn auch nur schleppend. Er konnte sich in den Ferien etwas Geld dazuverdienen, indem er die Lehrerwohnung an Kurgäste vermietete und selbst in das Klassenzimmer übersiedelte.

Nach den kurzen Amtszeiten von Lehrer Rákosi und der Lehrerin Maria Konrath kam es nach dem Ersten Weltkrieg zwischen den ortsstämmigen Lehrern Franz Kerschbaum und Heinrich Eigenbauer zum sogenannten “Tatzmannsdorfer Lehrerstreit” um die Besetzung der Lehrerstelle. Der eine gehörte dem ungarischen und der andere dem deutschen Lager an. Am Ende konnte sich Lehrer Eigenbauer durchsetzen, begünstigt durch den Anschluss des Burgenlandes an Österreich. Sein Nachfolger Lehrer Josef Svab war von 1935 bis 1938 der letzte Lehrer an der konfessionellen Schule. Die konfessionelle Schule wurde im Jahr 1939 von den Nationalsozialisten aufgehoben und verstaatlicht.

Von da an gingen auch die evangelischen Ortskinder in die hiesige Schule, und dabei blieb es auch nach 1945. Durch den Schülerzuwachs wurde die Schule allmählich zu klein, sodass im Neuen Kastell eine Ausweichklasse eingerichtet und eine zweite Lehrkraft angestellt werden mussten.

Neue Volksschule
Neue Volksschule von Bad Tatzmannsdorf


Da das alte Schulgebäude nicht nur zu klein, sondern bereits baufällig war, entschloss sich die Gemeinde, eine neue Volksschule zu errichten. 1960 konnte sie nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden.

Von nun an besuchten auch die Sulzriegler Kinder hier den Unterricht und seit 1974 auch die Jormannsdorfer.


100-jähriger Lehrer Josef Svab zu Besuch

Im Mai 2011 meldete sich völlig überraschend der ehemalige Lehrer Josef Svab in Bad Tatzmannsdorf. Niemand hier hatte auch nur geahnt, dass er überhaupt noch am Leben war bzw. wo er seit seinem Abgang von Bad Tatzmannsdorf im Jahr 1938 gelebt hatte.

Nach mehr als 70 Jahren, einem ganzen Lebensalter, wollte Lehrer Josef Svab an seine Wirkungsstätte zurückkehren. Er werde in Kürze seinen 100. Geburtstag feiern und würde zu diesem Anlass gern ehemalige Schüer treffen.

Lehrer Josef Svab stieg im Kur- und Thermenhotel ab und lud seine ehemaligen Zöglinge am Freitag, 20. Mai 2011, zu einer kleinen Feier ein. Von den zahlreichen SchülerInnen (s. Foto von 1938) sind nicht mehr allzu viele am Leben. Immerhin erschienen fünf, vier Damen und ein Herr, zum Treffen mit dem Klassenlehrer. Diese SchülerInnen, selbst schon in den Achtzigern, staunten über die Vitalität ihres einstigen Lehrers und unterhielten sich mit ihm prächtig über vergangene Zeiten. Fast ungaublich waren die Details, an die sich der betagte Herr erinnern konnte.

Lehrer Josef Svab wurde auch von unserem Obmann begrüßt. Der betagte Gast erhielt unseren Reiseführer überreicht und von der Direktorin der Volksschule unsere Festschrift, die anläßlich der 150-Jahr-Feier der Volksschule herausgegeben worden war.

100-jähriger Josef Svab in Bad Tatzmannsdorf

Lehrer Josef Svab
im Kreis seiner SchülerInnen im Jahre 1938 (Volksschule Bad Tatzmannsdorf)

Josef Svab

Der 100-jährige Josef Svab im Kreis seiner ehemaligen SchülerInnen sowie Obmann Herbert Rehling (2011)
Josef Svab

Josef Svab und seine Lebensgefährtin (2011)